Bauaufträge in Ungarn: Handwerker finden, prüfen, beauftragen
Ungarische Handwerker sind gut, günstiger als in Deutschland – und knapp. Woran man den richtigen erkennt und wie der Auftrag aussehen muss.
Handwerker sind in Ungarn gut, günstiger als in Deutschland und knapp. Die drei Eigenschaften zusammen erklären fast alles, was bei Bauaufträgen schiefgeht: Wer schnell jemanden braucht, nimmt den, der Zeit hat – und das ist selten der Beste. Dieser Beitrag beschreibt, wie man das vermeidet.
Zuerst: Wen haben Sie vor sich?
In Ungarn arbeiten drei Arten von Handwerkern:
- die Kft., die GmbH – eingetragen, mit Steuernummer, rechnet mit Rechnung ab,
- der egyéni vállalkozó, der eingetragene Einzelunternehmer – ebenfalls mit Steuernummer und Rechnung,
- und der Mann, der sagt, er mache das „ohne Papier billiger“.
Der dritte ist der teuerste. Ohne Rechnung gibt es keine Gewährleistung, keinen Versicherungsschutz, keinen Beleg für das Finanzamt und nichts, womit ein Anwalt arbeiten könnte. Und wenn in zwei Jahren das Dach undicht ist, haben Sie nicht einmal einen Namen, den ein Gericht kennt.
So prüfen Sie das in fünf Minuten
Lassen Sie sich die Steuernummer (adószám) geben – acht Ziffern, ein Bindestrich, dann zwei Stellen. Mit ihr können Sie beim ungarischen Finanzamt NAV kostenlos abfragen, ob die Nummer gültig ist und ob das Unternehmen Steuerschulden hat. Firmendaten – Gründungsjahr, Stammkapital, Geschäftsführer, ob ein Insolvenzverfahren läuft – stehen im Handelsregister.
Wenn Sie das nicht selbst machen wollen: Wir prüfen den Betrieb, bevor Sie unterschreiben. Das dauert bei uns zehn Minuten und hat schon einige Kunden vor einer Anzahlung bewahrt.
Das Angebot
Ein ungarisches Angebot ist von Haus aus kürzer, als ein deutscher Bauherr es erwartet. Oft steht da eine Zeile und eine Summe. Das ist keine Unseriosität, das ist Gewohnheit – aber Sie müssen nachfragen, sonst steht später Ihr Wort gegen seines.
Verlangen Sie schriftlich:
- Was gemacht wird, in Positionen mit Mengen – Quadratmeter, laufende Meter, Stückzahl.
- Womit: Hersteller und Produkt, nicht „gute Fliesen“. Wer liefert das Material, Sie oder er?
- Arbeitslohn und Material getrennt. Nur so sehen Sie, ob der Preis stimmt, und nur so können Sie Material selbst kaufen, wenn Sie wollen.
- Mehrwertsteuer: Steht die Summe mit oder ohne? Für Privatkunden gelten in Ungarn 27 Prozent, und die Differenz ist erheblich genug, um einen Streit zu verursachen.
- Was nicht enthalten ist – Gerüst, Entsorgung, Anfahrt, Strom und Wasser von der Baustelle.
Der Vertrag
Ein Vertrag muss nicht lang sein, aber er muss existieren und er muss zweisprachig sein. Ungarisch ist die Sprache, die im Streitfall zählt; die deutsche Spalte ist für Sie. Lassen Sie den ungarischen Text von jemandem prüfen, der nicht vom Handwerker bezahlt wird.
Hineingehören:
- Beginn und Fertigstellung mit Datum, nicht „im Frühjahr“.
- Zahlung in Raten nach Baufortschritt. Das ist der wichtigste Punkt des ganzen Beitrags. Eine Anzahlung für Material ist üblich, aber sie bemisst sich am Material, nicht an der Auftragssumme. Vorkasse für die Arbeit gibt es nicht.
- Ein Einbehalt von etwa zehn Prozent bis zur Abnahme. Nichts beschleunigt die Mängelbeseitigung so zuverlässig.
- Gewährleistung, schriftlich und mit Dauer.
- Wer die Baustelle aufräumt und wohin der Bauschutt geht.
Die Rechnung
Auf der Rechnung muss derselbe Name und dieselbe Steuernummer stehen wie im Vertrag. Wenn jemand sagt, „die Rechnung stellt ein Kollege aus“ oder „meine andere Firma rechnet ab“ – dann brechen Sie das Gespräch ab. Dafür gibt es keinen harmlosen Grund.
Ungarische Rechnungen laufen seit Jahren über ein Online-Meldesystem des Finanzamts. Eine Rechnung, die dort nicht angekommen ist, existiert für die Behörde nicht – und für Ihre Gewährleistung auch nicht.
Während der Arbeiten
- Fotografieren Sie. Vor allem alles, was danach verschwindet: Leitungen vor dem Verputzen, Abdichtung vor dem Estrich, Unterkonstruktion vor der Verkleidung. Das kostet nichts und ist im Zweifel der einzige Beweis.
- Seien Sie da, oder lassen Sie jemanden da sein. Baustellen, die ein halbes Jahr unbeaufsichtigt laufen, werden teuer.
- Änderungen schriftlich, und sei es per Nachricht mit Preis und Bestätigung. „Das machen wir eben mit“ steht am Ende in der Schlussrechnung.
- Zeitpläne großzügig rechnen. Gute Handwerker haben mehrere Baustellen gleichzeitig. Das ist hier normal und kein Zeichen von Unzuverlässigkeit – aber es verschiebt Termine.
Die Abnahme
Gehen Sie mit einer Liste durch das Haus und schreiben Sie auf, was fehlt oder nicht stimmt. Unterschreiben Sie die Abnahme erst, wenn das abgearbeitet ist, und zahlen Sie den Einbehalt erst danach. Wer vorher zahlt, verhandelt ab diesem Moment ohne Druckmittel.
Lassen Sie sich die Belege für eingebaute Produkte geben – Heizung, Fenster, Dachziegel. Ohne Rechnung keine Herstellergarantie.
Und wenn es schiefgeht?
Dann hängt alles an zwei Dingen: Gibt es einen schriftlichen Vertrag, und gibt es Rechnungen? Sind beide da, ist die Rechtslage in Ungarn für Sie keineswegs schlechter als in Deutschland. Fehlt eins davon, hilft auch der beste Anwalt nicht mehr.
Deshalb unser Rat, der ganz unspektakulär ist: Nehmen Sie sich die zwei Wochen Zeit für Angebot, Prüfung und Vertrag. Sie sind die billigste Bauzeit des ganzen Projekts.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich einen seriösen Handwerker in Ungarn?
Was muss in einem Bauvertrag in Ungarn stehen?
Wie viel Anzahlung ist üblich?
Was tun, wenn die Rechnung von einer anderen Firma kommen soll?
Stand: 24.10.2026