Selbstständig in Ungarn: KATA, átalányadó oder Kft?

Der alte Name dieser Seite war „Kleingewerbe-Besteuerung (KATA)". Er passt nicht mehr – KATA kommt für die meisten unserer Leser nicht mehr infrage.

Der alte Name dieser Seite war „Kleingewerbe-Besteuerung (KATA)". Er passt nicht mehr. KATA war jahrelang das Modell für Selbstständige in Ungarn — seit September 2022 kommt es für die meisten unserer Leser schlicht nicht mehr infrage.

Was mit KATA passiert ist

Seit dem 1. September 2022 gilt:

  • Nur noch hauptberufliche Einzelunternehmer (főfoglalkozású egyéni vállalkozó) dürfen KATA wählen. Keine Kft, keine bt., keine Nebenberuflichen.
  • Rechnungen an Firmen sind verboten. Fließt eine Zahlung von einer juristischen Person zu — auch von einer ausländischen —, endet die KATA-Eigenschaft am Tag davor. Meldung an die NAV binnen 15 Tagen, Wiedereintritt erst nach zwölf Monaten. Einzige Ausnahme: Taxiverkehr.
  • Einnahmen aus Immobilienvermietung beenden KATA ebenfalls. Für unsere Leser besonders relevant.

Und der Punkt, der die meisten Deutschen betrifft: Wer im Ausland sozialversichert ist, kann KATA nicht wählen. Das Gesetz nennt das ausdrücklich als Ausschlussgrund. Wer also in Deutschland angestellt ist und mit A1-Bescheinigung in Ungarn selbstständig arbeitet, ist nicht „hauptberuflich" im Sinne des Gesetzes — KATA ist für ihn zu.

Wer es doch darf, zahlt 50 000 Ft im Monat bis zum 12. des Folgemonats, bei einer Umsatzgrenze von 18 Millionen Ft im Jahr. Darüber 40 Prozent Sondersteuer auf den überschießenden Teil. Die Leistungsgrundlage für Rente und Krankengeld beträgt dabei nur 108 000 Ft im Monat — wer KATA zahlt, erwirbt also sehr geringe Ansprüche.

In Arbeit: Seit Oktober 2026 liegt ein Gesetzentwurf für eine „erweiterte KATA" vor — Umsatzgrenze 22 Millionen, Rechnungen an Firmen wieder erlaubt, Nebenberuflichkeit zurück, dafür 100 000 Ft im Monat. Geplant für den 1. Januar 2027. Beschlossen ist das nicht. Wir aktualisieren die Seite, sobald es Gesetz ist.

Was heute für die meisten passt: átalányadó

Die Pauschalbesteuerung ist in der Praxis der Nachfolger von KATA — und sie ist 2026 besser geworden: Die allgemeine Kostenpauschale ist von 40 auf 45 Prozent gestiegen und steigt 2027 auf 50 Prozent.

Das Prinzip: Von Ihrem Umsatz wird pauschal ein Kostenanteil abgezogen, ohne dass Sie eine einzige Rechnung sammeln müssen. Nur der Rest ist Einkommen.

TätigkeitKostenpauschaleUmsatz, bis zu dem gar nichts anfällt
allgemein (Dienstleistung, Beratung, IT)45 %3 521 455 Ft
Bau, Produktion, Gastronomie, Kfz, Friseur, Landwirtschaft80 %9 684 000 Ft
reiner Einzelhandel90 %19 368 000 Ft

Die Umsatzgrenze liegt 2026 bei 38 736 000 Ft, im reinen Einzelhandel bei 193 680 000 Ft. Steuerfrei bleiben die ersten 1 936 800 Ft Einkommen im Jahr.

Auf das pauschal ermittelte Einkommen fallen dann 15 Prozent Einkommensteuer, 18,5 Prozent Sozialversicherungsbeitrag und 13 Prozent szocho an — zusammen 46,5 Prozent.

Ein Haken, den man kennen muss: Haben Sie mehrere Tätigkeiten, gilt die niedrigste Kostenpauschale für den gesamten Umsatz. Wer neben dem Handwerk noch berät, verliert die 80 Prozent für alles.

Der entscheidende Satz: die Mindestabgaben

Das ist der Punkt, an dem die meisten Rechnungen scheitern. Als hauptberuflicher Einzelunternehmer zahlen Sie Sozialabgaben auf eine Mindestbemessungsgrundlage — auch bei Umsatz null.

Basis 2026GrundlageBeitrag 18,5 %szocho 13 %Summe je Monat
Mindestlohn322 800 Ft59 718 Ft41 964 Ft101 682 Ft
mit Qualifikationserfordernis373 200 Ft69 042 Ft48 516 Ft117 558 Ft

Das sind rund 1,22 bis 1,41 Millionen Ft im Jahr, unabhängig davon, ob Sie etwas verdienen. Der steuerfreie Einkommensteil senkt diese Grundlage nicht.

Eine gute Nachricht für 2026: Die szocho-Mindestgrundlage wurde von 112,5 auf 100 Prozent des Mindestlohns gesenkt. Beide Grundlagen sind jetzt gleich — das spart gegenüber 2025 spürbar.

Und wenn Sie nebenberuflich arbeiten?

Dann gibt es keine Mindestbemessungsgrundlage. Sie zahlen nur auf das, was Sie tatsächlich verdienen. „Nebenberuflich" sind Sie, wenn Sie daneben mit mindestens 36 Wochenstunden angestellt sind, Rentner sind oder Vollzeit studieren.

Für Deutsche ist das der wichtigste Hebel überhaupt: Wer in Deutschland angestellt bleibt und das mit der A1-Bescheinigung nachweist, ist in Deutschland sozialversichert, wird in Ungarn wie ein Nebenberuflicher behandelt — und spart die 1,22 Millionen Ft. Dafür ist KATA ausgeschlossen. Der Weg heißt dann átalányadó.

Die A1-Bescheinigung — wer ist wo versichert?

Nach EU-Recht gilt immer nur das Sozialversicherungsrecht eines einzigen Staates. Die Grundregeln:

  • Wer in einem Staat angestellt und in einem anderen selbstständig ist, ist im Staat der Anstellung versichert.
  • Wer in mehreren Staaten selbstständig ist, ist im Wohnstaat versichert, wenn dort mindestens 25 Prozent der Tätigkeit stattfindet — sonst dort, wo der Schwerpunkt liegt.

Doppelte Beitragspflicht ist damit vermeidbar. Wie die A1 in Ungarn verfahrensmäßig vorzulegen ist, konnten wir nicht aus einer amtlichen ungarischen Quelle klären — besprechen Sie das mit Ihrem ungarischen Buchhalter, bevor Sie sich anmelden.

Die Anmeldung als egyéni vállalkozó

Das Angenehme vorweg: Die Anmeldung ist gebührenfrei, und Sie dürfen noch am selben Tag anfangen.

Als EU-Bürger dürfen Sie das — das Gesetz nennt Staatsangehörige der EU und des EWR ausdrücklich.

Was Sie brauchen:

  • die regisztrációs igazolás, wenn Sie länger als 90 Tage bleiben (spätestens am 93. Tag nach der Einreise)
  • eine lakcímkártya mit ungarischer Meldeadresse
  • eine adóazonosító jel (Steueridentifikationsnummer)
  • einen elektronischen Zugang: Ügyfélkapu+ oder die DÁP-App. Der alte Ügyfélkapu wurde am 16. Januar 2025 abgeschaltet.

Die Anmeldung läuft über den Webes Ügysegéd. Anzugeben sind Personendaten, Haupt- und Nebentätigkeiten nach ÖVTJ-Code und der Sitz.

Laufend kommen hinzu: Kammerbeitrag 5 000 Ft im Jahr (bis 31. März), Buchhaltung, Online-Rechnungsmeldung und die Gewerbesteuer der Gemeinde.

Denken Sie an das Auto: Mit der lakcímkártya kann die Ummeldepflicht für ein deutsches Kennzeichen ausgelöst werden. Das ist die typische Stolperfalle — lesen Sie dazu unsere Seite zur Kfz-Steuer.

Erleichterung ab 2026

Sozialversicherung und szocho werden jetzt vierteljährlich erklärt statt monatlich, jeweils bis zum 12. des Folgemonats nach Quartalsende. Die Einkommensteuererklärung bleibt beim 20. Mai.

Die Gewerbesteuer der Gemeinde (iparűzési adó)

Die vergisst fast jeder. Bis 25 Millionen Ft Jahresumsatz können Sie eine vereinfachte, gestaffelte Bemessungsgrundlage wählen:

JahresumsatzBemessungsgrundlageSteuer bei 2 %
bis 12 Mio Ft2 500 000 Ft50 000 Ft
12 bis 18 Mio Ft6 000 000 Ft120 000 Ft
18 bis 25 Mio Ft8 500 000 Ft170 000 Ft

Zahlbar bis zum 31. Mai. Der Hebesatz liegt bei höchstens 2 Prozent und wird von der Gemeinde festgelegt — manche erheben gar nichts. Fragen Sie im Gemeindeamt nach.

Die drei Bemessungsgrundlagen stammen aus einem Gemeindemerkblatt zur Einführung 2023; dass sie 2026 unverändert gelten, konnten wir nicht gegenprüfen. Die Umsatzschwellen sind für 2026 bestätigt.

Umsatzsteuer: die Kleinunternehmergrenze

Die alanyi adómentesség liegt 2026 bei 20 Millionen Ft und steigt weiter — 2027 auf 22, 2028 auf 24 Millionen. Die Wahl ist bis zum 31. Dezember des Vorjahres zu melden.

Ob ein Deutscher sie uneingeschränkt nutzen kann, konnten wir nicht abschließend klären. Rechtlich entscheidet die wirtschaftliche Ansässigkeit in Ungarn, nicht die Staatsangehörigkeit.

Und die Kft?

Zum Vergleich, kurz: Stammkapital 3 Millionen Ft, Anwaltszwang, ungarischer Firmensitz, doppelte Buchführung, Buchhalter ab etwa 25 000 Ft im Monat. Der Geschäftsführer zahlt dieselben Mindestabgaben wie oben.

Für eine Tätigkeit, die eine Person allein ausübt, ist das fast immer zu viel Apparat. Eine Kft lohnt sich bei Haftungsrisiken, mehreren Beteiligten, Personal oder einem echten Betrieb.

KIVA, die 10-Prozent-Kleinunternehmenssteuer, wird oft empfohlen. Sie lohnt sich aber nur für Kapitalgesellschaften mit nennenswerten Lohnkosten. Für den typischen Einzelunternehmer ohne Angestellte bringt sie nichts.

Unsere Einschätzung

Wer in Deutschland angestellt oder dort gesetzlich versichert bleibt und in Ungarn nebenher arbeitet, fährt mit der átalányadó als Nebenberuflicher am besten — keine Mindestabgaben, überschaubarer Aufwand.

Wer seinen Lebensmittelpunkt nach Ungarn verlegt und hier hauptberuflich arbeitet, muss mit rund 1,2 Millionen Ft Grundlast im Jahr rechnen. Das muss die Tätigkeit erst einmal tragen. Rechnen Sie das durch, bevor Sie sich anmelden, nicht danach.

Wir sind keine Steuerberater. Wir sagen Ihnen, welche Fragen Sie stellen müssen, und bringen Sie mit einem ungarischen Buchhalter zusammen, der Deutsch spricht.

Stand und Vorbehalt

Stand Oktober 2026. Rechtsgrundlagen: 2022. évi XIII. törvény (KATA), 1995. évi CXVII. törvény (Szja tv.), 2018. évi LII. törvény (Szocho tv.), 2009. évi CXV. törvény (Evectv.), 2007. évi I. törvény, Htv., VO (EG) 883/2004. Beträge nach Veröffentlichungen der NAV (Stand 2026). Nicht abschliessend klären konnten wir: das A1-Verfahren aus ungarischer Sicht, die Nutzbarkeit der Kleinunternehmerregelung durch Nicht-Ungarn, die Fortgeltung der Gewerbesteuer-Bandbeträge für 2026 und die Mindestabgaben eines Kft-Geschäftsführers bei unentgeltlichem Mandat. Dies ist keine Steuerberatung.

Häufige Fragen

Kann ich als Deutscher noch KATA wählen?
In aller Regel nicht. Seit September 2022 dürfen nur hauptberufliche Einzelunternehmer KATA wählen, und wer im Ausland sozialversichert ist, ist ausdrücklich ausgeschlossen. Wer also in Deutschland angestellt ist und mit A1-Bescheinigung in Ungarn arbeitet, kann KATA nicht nutzen.
Was ist dann die Alternative?
Die átalányadó, die Pauschalbesteuerung. Sie ist 2026 besser geworden: Die allgemeine Kostenpauschale ist von 40 auf 45 Prozent gestiegen, 2027 sind es 50 Prozent. Bei Bau, Produktion und Gastronomie sind es 80 Prozent, im reinen Einzelhandel 90.
Was kostet mich die Selbstständigkeit, wenn ich nichts verdiene?
Als hauptberuflicher Einzelunternehmer rund 101 682 Ft im Monat, bei Tätigkeiten mit Qualifikationserfordernis 117 558 Ft – also 1,22 bis 1,41 Millionen Ft im Jahr, auch bei Umsatz null. Das ist der Punkt, an dem die meisten Rechnungen scheitern.
Wie vermeide ich diese Mindestabgaben?
Indem Sie nebenberuflich tätig sind. Das sind Sie, wenn Sie daneben mit mindestens 36 Wochenstunden angestellt sind, Rentner sind oder Vollzeit studieren. Dann gibt es keine Mindestbemessungsgrundlage. Für Deutsche ist die A1-Bescheinigung der entscheidende Hebel.
Wie melde ich ein Einzelunternehmen an?
Elektronisch über den Webes Ügysegéd. Die Anmeldung ist gebührenfrei, und Sie dürfen am selben Tag anfangen. Sie brauchen die regisztrációs igazolás, eine lakcímkártya, eine Steueridentifikationsnummer und Ügyfélkapu+ oder die DÁP-App.
Was kostet die Gewerbesteuer der Gemeinde?
Bis 25 Millionen Ft Umsatz können Sie eine gestaffelte Pauschale wählen: 50 000 Ft bis 12 Millionen Umsatz, 120 000 Ft bis 18 Millionen, 170 000 Ft bis 25 Millionen. Zahlbar bis 31. Mai. Der Hebesatz liegt bei höchstens 2 Prozent, manche Gemeinden erheben gar nichts.
Ab wann muss ich Umsatzsteuer berechnen?
Die Kleinunternehmergrenze liegt 2026 bei 20 Millionen Ft und steigt 2027 auf 22, 2028 auf 24 Millionen. Die Wahl ist bis zum 31. Dezember des Vorjahres zu melden.
Lohnt sich stattdessen eine Kft?
Für eine Tätigkeit, die eine Person allein ausübt, fast nie: 3 Millionen Ft Stammkapital, Anwaltszwang, doppelte Buchführung, Buchhalter – und der Geschäftsführer zahlt dieselben Mindestabgaben. Sinnvoll wird es bei Haftungsrisiken, mehreren Beteiligten oder Personal.
Kommt KATA zurück?
Möglicherweise. Seit Oktober 2026 liegt ein Entwurf für eine erweiterte KATA vor – Umsatzgrenze 22 Millionen, Rechnungen an Firmen wieder erlaubt, dafür 100 000 Ft im Monat, geplant zum 1. Januar 2027. Beschlossen ist das nicht.

Stand: 25.10.2026