Erdbebengebiete in Ungarn: Wo es bebt und was das für ein Haus bedeutet

Ungarn liegt nicht auf einer Plattengrenze, aber auch nicht in Ruhe. Für einen Hauskäufer ist die Frage nicht, ob es bebt – sondern was das für dieses eine Haus bedeutet.

Erdbebengebiete in Ungarn: Wo es bebt und was das für ein Haus bedeutet

Ungarn liegt nicht auf einer Plattengrenze, aber auch nicht in Ruhe. Das Pannonische Becken wird von der Adriatischen Platte gegen die Eurasische gedrückt, und das Ergebnis sind Beben, die selten gefährlich und manchmal doch zerstörerisch sind. Für einen Hauskäufer ist die Frage nicht, ob es in Ungarn bebt – sondern was das für dieses eine Haus bedeutet.

Wo es wirklich bebt

Die aktivste Zone des Landes ist nicht der Norden, sondern eine Linie quer durch Transdanubien: die Komárom–Berhida-Linie entlang des Transdanubischen Mittelgebirges, das sich bis heute hebt. Dazu kommen die Mór-Querstörung, die Balaton-Linie und im Westen die Ausläufer der Mur-Mürz-Zone um Szombathely.

Das ist für unsere Käufer der entscheidende Punkt, und wir sagen ihn lieber deutlich: Die aktivste Zone Ungarns verläuft durch die Region, in der wir vermitteln. Berhida liegt im Komitat Veszprém, wenige Kilometer vom Balaton. Das letzte spürbare Beben im Komitat Somogy war 2019 bei Nagyatád.

Umgekehrt gilt: Die Gegend, in der die Beben auftreten, ist dieselbe, in der seit zweihundert Jahren Häuser stehen, die das überstanden haben. Die Stärke der Beben ist eine andere Liga als in Italien oder Griechenland.

Die dokumentierten Beben

JahrOrtStärkeFolgen
456Savaria (Szombathely)M 6,1ältestes überliefertes Beben
1763KomáromM 6,2–6,5279 von 1 169 Häusern eingestürzt, 63 Tote in der Stadt
1810MórM 5,4
1834ÉrmellékM 6,2heute Rumänien
1911KecskemétM 5,6
1925EgerM 5,0über 200 Gebäude beschädigt
1956DunaharasztiM 5,63 144 von rund 3 500 Gebäuden beschädigt, 2 Tote
1985BerhidaM 4,9stärkstes Beben der Region in neuerer Zeit
2011OroszlányM 4,7
2013Heves / NógrádM 4,7
2019NagyatádM 4,0Komitat Somogy
2022Csepreg–RépcelakM 3,4

Das Beben von Komárom 1763 gilt als das stärkste im Pannonischen Becken seit tausend Jahren. Bemerkenswert daran ist weniger die Magnitude als eine Begleiterscheinung: Auf rund 400 Quadratkilometern verflüssigte sich der Boden. Dazu kommt es, wo junge Flussablagerungen auf hohes Grundwasser treffen – und das ist in Ungarn grossflächig der Fall.

Wie oft passiert etwas

  • 100 bis 200 Beben im Jahr, die niemand spürt (bis etwa M 2,5)
  • 4 bis 5 im Jahr, die spürbar sind
  • ein stärkeres Beben (M 4,8 bis 6,2) etwa alle 20 bis 30 Jahre
  • seit Beginn der Aufzeichnungen rund drei Dutzend Beben mit nennenswerten Schäden

Gemessen und katalogisiert wird das vom Kövesligethy Radó Szeizmológiai Obszervatórium, das jedes Jahr einen Bericht über sämtliche registrierten Beben veröffentlicht.

Was das für Ihr Haus bedeutet

Die Bauart entscheidet, nicht die Postleitzahl. Gefährdet ist genau der Haustyp, den die meisten unserer Käufer kaufen:

  • Lehmziegel (vályog) ohne Ringanker – die Wände sind nicht miteinander verbunden und können sich bei seitlicher Belastung voneinander lösen. Das ist die kritischste Bauart.
  • Unbewehrtes Ziegelmauerwerk mit schwerem Ziegeldach – viel Masse oben, wenig Zugfestigkeit unten.
  • Nachträglich aufgestockte Häuser, bei denen niemand gerechnet hat, was das Erdgeschoss trägt.
  • Freistehende Giebelwände und hohe Schornsteine – das, was bei einem Beben zuerst herunterkommt.

Neubauten sind ein anderes Thema: Ungarn rechnet nach dem Eurocode 8, der Erdbebenlasten vorschreibt. Ein korrekt errichteter Neubau ist kein Problemfall.

Wenn Sie ohnehin sanieren, ist der Ringanker (koszorú) auf Höhe der Decke die wirksamste Einzelmassnahme – und bei einer Dachsanierung ohnehin naheliegend, weil man dann sowieso oben an der Wand arbeitet. Sprechen Sie Ihren Statiker darauf an, bevor das Dach wieder zu ist.

Die Versicherung – hier lohnt der Blick

Erdbeben gehört in Ungarn zum Grundumfang der von der Nationalbank zertifizierten Wohngebäudeversicherung (Minősített Fogyasztóbarát Otthonbiztosítás, MFO). Das Mindestpaket umfasst neben Erdbeben auch Sturm, Hagel, Schneedruck, Hochwasser, Starkregen, Blitzschlag und Erdrutsch; abweichen dürfen die Versicherer davon nur zugunsten des Kunden.

Bei nicht zertifizierten Policen und bei älteren Verträgen ist das nicht automatisch so. Wenn Sie eine bestehende Police übernehmen oder eine alte weiterlaufen lassen: einmal nachsehen, ob földrengés in der Aufzählung steht. Und prüfen, ob die Versicherungssumme noch zum heutigen Wiederaufbauwert passt – das ist bei alten ungarischen Policen häufiger das Problem als der fehlende Erdbebenschutz.

Unsere Einschätzung

Erdbeben sollten in Ungarn keine Kaufentscheidung umwerfen. Wir haben in all den Jahren kein Haus wegen Erdbebenschäden abschreiben müssen – wohl aber etliche wegen aufsteigender Feuchte, einer maroden Elektrik oder eines Dachs, das niemand kontrolliert hatte. Das sind die Risiken, bei denen sich das Hinsehen rechnet.

Wo es sich trotzdem lohnt, genauer hinzuschauen: bei einem Lehmziegelhaus ohne Ringanker, das Sie ohnehin sanieren wollen, und bei einer alten Versicherungspolice, die Sie noch nie gelesen haben.

Quellen

Kövesligethy Radó Szeizmológiai Obszervatórium (Jahresberichte „Hungarian Earthquake Bulletin"); Magyar Nemzeti Bank, Produktanforderungen der Minősített Fogyasztóbarát Otthonbiztosítás; zum Beben von Komárom 1763 die Auswertung der zeitgenössischen Schadensberichte. Stand: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Welche Gebiete in Ungarn sind erdbebengefährdet?
Die aktivste Zone ist die Komárom–Berhida-Linie entlang des Transdanubischen Mittelgebirges, dazu die Mór-Querstörung, die Balaton-Linie und im Westen die Ausläufer der Mur-Mürz-Zone um Szombathely. Das ist nicht der Norden, wie oft behauptet – es ist die Region zwischen Komárom und dem Balaton.
Wie stark waren die stärksten Beben in Ungarn?
Das Beben von Komárom 1763 mit einer Stärke zwischen 6,2 und 6,5 gilt als das stärkste im Pannonischen Becken seit tausend Jahren: 279 von 1 169 Häusern stürzten ein, 63 Menschen starben in der Stadt. 1956 wurden in Dunaharaszti 3 144 von rund 3 500 Gebäuden beschädigt. Das stärkste Beben der Balaton-Region in neuerer Zeit war 1985 bei Berhida mit 4,9.
Wie oft bebt es in Ungarn?
Jährlich 100 bis 200 Beben, die niemand spürt, und 4 bis 5 spürbare. Ein stärkeres Beben zwischen 4,8 und 6,2 tritt etwa alle 20 bis 30 Jahre auf.
Welche Häuser sind bei einem Erdbeben gefährdet?
Vor allem Lehmziegelhäuser ohne Ringanker, unbewehrtes Ziegelmauerwerk mit schwerem Dach, nachträglich aufgestockte Häuser sowie freistehende Giebelwände und hohe Schornsteine. Neubauten rechnet Ungarn nach dem Eurocode 8 und sind kein Problemfall.
Zahlt die Versicherung bei Erdbebenschäden?
Erdbeben gehört zum Grundumfang der von der Nationalbank zertifizierten Wohngebäudeversicherung. Bei nicht zertifizierten und bei älteren Policen ist das nicht automatisch so – dort lohnt der Blick, ob földrengés in der Aufzählung steht.

Stand: 25.10.2026