Gartenabfälle verbrennen in Ungarn: Was wirklich gilt
Fast jeder deutschsprachige Ratgeber schreibt „seit 2021 verboten". Das erklärt nur nicht, warum im Oktober halb Ungarn nach Rauch riecht. Die Auflösung: Die Gemeinde entscheidet – und viele erlauben es.
„Seit 2021 verboten" — das steht in fast jedem deutschsprachigen Ratgeber, und es stand bis heute auch bei uns. Es erklärt nur nicht, warum im Oktober halb Ungarn nach Rauch riecht.
Die Auflösung: Das landesweite Totalverbot ist in dieser Form nie dauerhaft in Kraft getreten. Seit dem 1. Dezember 2021 dürfen die Gemeinden das Verbrennen von Laub und Gartenabfall wieder per Satzung erlauben — und viele tun das. Ihre Nachbarn sind also meistens nicht dreist, sondern im Recht.
Die Regel in einem Satz
Verbrennen ist verboten — es sei denn, Ihre Gemeinde erlaubt es per Satzung. Gibt es keine Satzung, gilt das Verbot.
Das ist der ganze Mechanismus. Das Landesrecht verbietet das Verbrennen von Abfall im Freien, lässt aber ausdrücklich zu, dass eine andere Rechtsvorschrift es anders regelt — und eine Gemeindesatzung ist eine solche Vorschrift.
Damit hängt die Antwort auf die Frage „darf ich?" ausschließlich an Ihrer eigenen Gemeinde. Nicht am Komitat, nicht daran, was der Nachbarort macht, und schon gar nicht daran, was in einem Forum steht.
Wie Sie es für Ihre Gemeinde herausfinden
- Fragen Sie im Gemeindeamt nach der avar és kerti hulladék égetéséről szóló rendelet. Das ist der schnellste Weg, und man kennt Sie danach.
- Oder nachsehen im Verzeichnis der Gemeindesatzungen: or.njt.hu. Dort die Gemeinde suchen und in der Liste nach „avar" schauen.
Für Alsópáhok, Hévíz und die direkte Umgebung konnten wir keine aktuelle Satzung sicher überprüfen. Fragen Sie dort bitte nach, bevor Sie ein Streichholz anzünden — wir tragen die Antwort gern hier nach, wenn Sie sie uns sagen.
Was in so einer Satzung typischerweise steht
Die Gemeinden regeln das sehr unterschiedlich, aber nach einem ähnlichen Muster: bestimmte Monate, bestimmte Wochentage, ein Zeitfenster, nur trockenes Material vom eigenen Grundstück, nur bei Windstille, eine erwachsene Person muss dabeibleiben, Löschwasser bereit, und nie an Sonn- und Feiertagen.
| Gemeinde | Komitat | Regelung |
|---|---|---|
| Keszthely | Zala | Im Ortsgebiet verboten; außerhalb 1.10.–30.4., 10–17 Uhr, höchstens 1 m³ auf einmal |
| Zalaegerszeg | Zala | 15.10.–15.4., nur Mittwoch und Samstag, bei Windstille, nicht an Feiertagen |
| Kisberény | Somogy | Nur Mittwoch und Samstag; Kompostierung hat ausdrücklich Vorrang |
| Kaposvár | Somogy | In Wohngebieten verboten; in den zártkert-Lagen 1.10.–30.4., 9–17 Uhr; rund um den Deseda-Stausee ganzjährig verboten |
Man sieht daran zweierlei: Die Spanne reicht von „zwei Tage die Woche" bis „gar nicht", und im bebauten Ortsgebiet ist es öfter verboten als draußen. Wer ein Haus im Dorfkern hat, steht also schlechter da als der mit dem Weinberggrundstück.
Und es wird gerade strenger
Im Mai 2026 ist der seit 2022 geltende Ausnahmezustand ausgelaufen. Mehrere Gemeinden haben ihre Satzungen seitdem verschärft; in Tamási gilt inzwischen ein ganzjähriges Verbot. Eine Auskunft von vor zwei Jahren ist also nichts mehr wert — auch keine von uns.
Was es kostet, wenn man es falsch macht
Hier wird es unangenehm, denn es greifen mehrere Bussgeldschienen nebeneinander:
| Art | Höhe |
|---|---|
| Luftreinhaltungsbußgeld — ungenehmigtes Verbrennen im Freien | 100 000 Ft |
| dasselbe, aber entlang von Straßen oder Bahnlinien | 500 000 Ft |
| Brandschutzbussgeld, wenn ein Brand entsteht | 10 000 – 1 000 000 Ft |
| Brandschutzbussgeld, wenn die Feuerwehr ausrücken muss | 20 000 – 3 000 000 Ft |
| Verstoss gegen die Gemeindesatzung | je nach Ort, verbreitet bis 200 000 Ft |
Das Luftreinhaltungsbußgeld kann um bis zu 75 Prozent gemindert werden. Die drei Millionen klingen nach Schlagzeile, sind aber der reale Rahmen, sobald ein Löschzug anrückt — und bei einem Gartenfeuer im Oktober ruft erfahrungsgemäss irgendwer an.
Das Feuerverbot schlägt alles
Bei Trockenheit wird eine Zeit erhöhter Brandgefahr (tűzgyújtási tilalom) ausgerufen. Dann ist auch das, was Ihre Satzung sonst erlaubt, nicht erlaubt.
- Nachsehen können Sie es täglich, aktualisiert um 0:01 Uhr: portal.nebih.gov.hu/tuzgyujtasi-tilalom
- Rechtlich erfasst das Verbot Wald, Aufforstungen auf Aussenbereichsgrundstücken und einen Umkreis von 200 Metern darum
- Ein Garten mitten im Ort fällt nicht automatisch darunter — ein zártkert-Grundstück am Waldrand sehr wohl. Und fast jede Gemeindesatzung verbietet es während eines Feuerverbots ohnehin zusätzlich
Was nie erlaubt ist, auch nicht mit Satzung
Schilf, Wiesen und stehender Bewuchs. Das Abbrennen von Schilf und anderer Wasservegetation ist nur ausnahmsweise und mit behördlicher Genehmigung zulässig, und auf Naturschutzflächen braucht es zusätzlich die Genehmigung der Naturschutzbehörde. Rund um den Balaton und am Kis-Balaton ist das faktisch tabu — eine Genehmigung bekommt nur, wer naturschutzfachliche oder pflanzengesundheitliche Gründe nachweist. Eine brandschutzrechtliche Anzeige ersetzt diese Genehmigung nicht.
Alles, was kein Gartenabfall ist. Plastik, behandeltes Holz, Reifen, Möbel, Bauabfall — das ist Abfallverbrennung und bleibt in jedem Fall verboten.
Das Nachbargrundstück. Erlaubt ist immer nur Material vom eigenen Grundstück.
Eine echte Ausnahme: kranke Pflanzen
Bei bestimmten meldepflichtigen Pflanzenkrankheiten darf — und muss manchmal — befallenes Material verbrannt werden; das klassische Beispiel ist Rebholz bei der Goldgelben Vergilbung. Das ist aber kein Selbsthilferecht: Es geschieht auf Anordnung oder mit Genehmigung der Pflanzenschutzbehörde im Einzelfall. Normaler Obstbaumschnitt fällt nicht darunter, auch wenn er ein paar Flechten hat.
Die Alternativen
- Grünschnittabfuhr. Läuft über den kommunalen Abfallkalender. Die Abholung steckt in der Grundgebühr; die Säcke sind je nach Ort kostenlos oder kosten wenige hundert Forint. Baumschnitt wird mitgenommen, wenn er auf etwa einen Meter gekürzt und zu Bündeln von höchstens 50 Zentimetern Durchmesser gebunden ist — Äste bis zehn Zentimeter Stärke.
- Kompostieren. Mehrere Satzungen nennen das ausdrücklich als vorrangig. Für Laub und Rasenschnitt ist es die naheliegendste Lösung und kostet nichts.
- Häckseln. Braucht keine Genehmigung, und das Häckselgut liegt im Beet besser als in der Luft. Ein Häcksler lässt sich in den meisten Orten mieten.
- Wertstoffhof (hulladékudvar). Annahme ist möglich, seit Oktober 2025 gelten aber Mengenbegrenzungen je Abfallart. Konditionen bitte beim örtlichen Hof erfragen.
Unsere Einschätzung
Zwei Dinge, die uns in der Praxis wichtiger erscheinen als die Rechtslage.
Erstens: Rauch ist der häufigste Anlass für Ärger mit Nachbarn, den wir bei Zugezogenen erleben — in beide Richtungen. Wer am Samstagnachmittag anzündet, während nebenan Wäsche hängt, hat auch dann ein Problem, wenn die Satzung den Samstag ausdrücklich erlaubt. Ein kurzes Wort über den Zaun kostet nichts.
Zweitens: Der häufigste Fehler ist nicht das Anzünden, sondern das Weggehen. Die Satzungen verlangen nicht ohne Grund, dass jemand dabeibleibt und Wasser bereitsteht. Aus den 100 000 Ft für ein unerlaubtes Feuer werden drei Millionen, sobald der Löschzug kommt.
Stand und Vorbehalt
Stand Oktober 2026. Die genannten Gemeinderegelungen sind Beispiele und können sich jederzeit ändern — maßgeblich ist immer die aktuelle Satzung Ihrer eigenen Gemeinde. Wir sind Immobilienmakler und keine Rechtsanwälte. Nicht abschliessend klären konnten wir die genaue Staffelung des Luftreinhaltungsbussgeldes oberhalb von 100 000 Ft sowie die aktuellen Annahmemengen der Wertstoffhöfe.
Häufige Fragen
Darf man in Ungarn Gartenabfall verbrennen?
Ist das Verbrennen seit 2021 nicht verboten?
Wie finde ich heraus, was in meiner Gemeinde gilt?
Was kostet es, wenn man ohne Erlaubnis verbrennt?
Was ist das tűzgyújtási tilalom?
Darf ich Schilf oder eine Wiese abbrennen?
Stand: 25.10.2026