Auto kaufen: Deutschland oder Ungarn? Die Rechnung, Posten für Posten
Beim Neuwagen spart der Kauf in Deutschland nichts – beim alten Gebrauchten oft viel. Mehrwertsteuer, Registrationssteuer und laufende Kosten mit den Zahlen für 2026.
„Das Auto kaufe ich in Deutschland, da ist es günstiger“ – das ist der Satz, den wir von Zuziehenden am häufigsten hören. Er stimmt manchmal. Aber er stimmt aus anderen Gründen als gedacht, und bei einem Neuwagen stimmt er praktisch nie. Hier die Rechnung, Posten für Posten.
Die Mehrwertsteuer: der teuerste Irrtum
Im EU-Recht gibt es zwei Arten von Fahrzeugen, und die Grenze verläuft nicht dort, wo man sie vermutet. Neu ist ein Fahrzeug, das höchstens 6 000 km gefahren ist oder dessen Erstzulassung höchstens 6 Monate zurückliegt. Gebraucht ist es erst, wenn beides überschritten ist. Ein halbes Jahr alter Vorführwagen mit 9 000 km gilt also noch als neu.
Und daraus folgt die entscheidende Regel:
- Neufahrzeug: Die Mehrwertsteuer fällt im Zulassungsland an – also in Ungarn, mit 27 Prozent statt der deutschen 19. Beim deutschen Händler müssen Sie das vorher ansprechen, damit er keine deutsche Umsatzsteuer berechnet; er darf sie als Sicherheit einbehalten, bis Sie die ungarische Zulassung nachweisen.
- Gebrauchtwagen von privat: gar keine Mehrwertsteuer, weder hier noch dort.
- Gebrauchtwagen vom Händler: Mehrwertsteuer im Kaufland. Beim deutschen Händler also 19 Prozent – und in Ungarn nichts mehr.
Wer einen Neuwagen in Deutschland kauft, um ihn in Ungarn zuzulassen, spart damit nichts an Mehrwertsteuer. Er zahlt 27 Prozent, so als hätte er ihn hier gekauft.
Die Registrationssteuer – und ein Märchen
Jedes Fahrzeug, das zum ersten Mal in Ungarn zugelassen wird, löst die regisztrációs adó aus. Auch ein Auto, das in Deutschland längst zugelassen war: Entscheidend ist die erste ungarische Zulassung, nicht die erste überhaupt.
Seit 2025 wird nicht mehr nach Hubraum gerechnet, sondern nach Motorleistung in kW und Umweltklasse. Für die günstigste Umweltklasse gelten 2026 diese Grundbeträge:
| Motorleistung | Betrag 2026 |
|---|---|
| bis 80 kW | 47 000 Ft |
| 81–100 kW | 70 500 Ft |
| 101–120 kW | 94 000 Ft |
| 121–140 kW | 141 000 Ft |
| 141–180 kW | 188 000 Ft |
| 181–250 kW | 282 000 Ft |
| über 250 kW | 423 000 Ft |
Bei schlechteren Umweltklassen vervielfacht sich das – je nach Einstufung auf das Sechs-, Zwölf- oder Vierundzwanzigfache. Bei einem älteren Diesel wird aus einer überschaubaren Zahl schnell ein sechsstelliger Betrag.
Dagegen steht eine Alterskürzung, und die ist kräftig: Nach drei Jahren sind es 38 Prozent weniger, nach fünf Jahren 53 Prozent, nach zehn Jahren 78 Prozent, ab gut vierzehn Jahren 90 Prozent. Ein zehn Jahre alter Mittelklassewagen in guter Umweltklasse kommt so auf rund 20 000 Ft – nicht der Rede wert. Ein drei Jahre alter Geländewagen mit 180 kW ist eine andere Geschichte.
Reine Elektrofahrzeuge zahlen 0 Ft. Plug-in-Hybride sind seit 2025 nicht mehr befreit.
Und das Märchen: Es kursiert hartnäckig, beim Umzug nach Ungarn sei das Auto als Übersiedlungsgut von der Registrationssteuer befreit. Das ist nicht so. Das Gesetz kennt Befreiungen für Diplomatenkennzeichen, für vorübergehende Ausfuhrkennzeichen und für Museumsfahrzeuge – und ausgerechnet beim Umzug nur für den Weg aus Ungarn hinaus, nicht herein. Planen Sie die Steuer ein.
Was die Zulassung sonst noch kostet
| Posten | ungefähr |
|---|---|
| Einzelzulassung mit technischer Prüfung (honosítás) | über 57 000 Ft |
| Echtheitsprüfung (eredetiségvizsgálat) | je nach Hubraum 22 950 – 27 000 Ft |
| Fahrzeugschein (forgalmi engedély) | 6 000 Ft |
| Fahrzeugbrief (törzskönyv) | 6 000 Ft |
| Kennzeichenpaar | 11 500 Ft |
Dazu die Umschreibungssteuer (vagyonszerzési illeték), gerechnet in Forint je kW und gestaffelt nach Alter – zwischen 300 und 950 Ft je kW. Ein 90-kW-Wagen, fünf Jahre alt, kostet danach 67 500 Ft. Elektroautos sind auch hier befreit, Hybride nicht.
In Summe liegen die Nebenkosten eines EU-Imports je nach Fahrzeug bei etwa 300 000 bis 900 000 Ft, und es dauert ein bis drei Wochen. Seit Mitte 2025 darf die Einzelabnahme übrigens jede der rund 1 400 privaten Prüfstellen machen, nicht mehr nur die 26 staatlichen – das hat die Wartezeiten deutlich entspannt.
Mit deutschem Kennzeichen weiterfahren? Besser nicht
Wer seinen Wohnsitz in Ungarn hat, darf hier grundsätzlich kein ausländisch zugelassenes Fahrzeug führen. Toleriert wird eine Nutzung von weniger als 60 Tagen je Sechsmonatszeitraum, und auch das nur mit schriftlicher Zustimmung des Halters samt Übergabedatum im Fahrzeug.
Können Sie das bei einer Kontrolle nicht vorlegen, werden Kennzeichen und Papiere an Ort und Stelle eingezogen, dazu kommt ein Bußgeld. Ein Nachreichen hilft dann nicht mehr. Das ist der Punkt, an dem das Sparen am teuersten wird.
Die laufenden Kosten
- Kfz-Steuer (gépjárműadó): nach kW und Fahrzeugalter. 2025 waren es 360 Ft/kW für neue und 145 Ft/kW für Fahrzeuge ab dem 16. Jahr; die Sätze werden jährlich angehoben. Fällig in einer Summe bis zum 15. April, auf Antrag in fünf zinsfreien Raten. Reine Elektroautos bleiben befreit.
- Pflichtversicherung (KGFB): Die Durchschnittsprämie lag im zweiten Quartal 2026 bei 55 521 Ft im Jahr – außerhalb Budapests bei 51 454 Ft, in Budapest bei 80 105 Ft. Das ist grob ein Drittel bis ein Viertel dessen, was in Deutschland üblich ist. Die Nationalbank rechnet allerdings mit steigenden Prämien, weil die Reparaturkosten anziehen.
- Technische Untersuchung (műszaki vizsga): Neuwagen erst nach vier Jahren, danach alle zwei. Die amtliche Gebühr beträgt 26 700 Ft, in der Praxis zahlt man bei privaten Prüfstellen 35 000 bis 40 000 Ft. In Deutschland sind es 160 bis 170 Euro alle zwei Jahre, und die erste HU kommt schon nach drei Jahren.
- Autobahnvignette (e-matrica): landesweit 61 760 Ft im Jahr, eine einzelne Komitatsvignette 7 190 Ft. Seit 2026 gibt es eine Regionaljahresvignette für 15 000 Ft, die vier Komitatsvignetten ersetzt und damit deutlich günstiger ist als diese einzeln.
Ein Hinweis, der schon viele Hundert Euro gekostet hat: Wenn Sie die Vignette an der Tankstelle kaufen, tippt dort ein Mensch Ihr Kennzeichen ein. Lassen Sie sich den Beleg geben und prüfen Sie Kennzeichen, Länderkennung und Fahrzeugkategorie, bevor Sie losfahren. Ein Zahlendreher heißt: Die Vignette gilt für ein fremdes Auto, Ihres fährt ohne – und die Kameras merken das. Die Nachgebühr beträgt 27 790 Ft und steigt auf 95 730 Ft, wenn Sie später als 60 Tage zahlen. Die Post kommt oft erst Wochen später.
Was man beim Gebrauchtwagen wissen sollte
Ein sauberer Preisvergleich zwischen beiden Märkten ist seriös nicht möglich: Der durchschnittliche ungarische Gebrauchtwagen im Angebot ist zwölf bis dreizehn Jahre alt, der deutsche deutlich jünger. Die Durchschnittspreise messen also verschiedene Dinge.
Aussagekräftiger ist, was die Ungarn selbst tun: Von Januar bis Juli 2026 bekamen 91 343 importierte Gebrauchtwagen ein ungarisches Kennzeichen, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die häufigsten Modelle waren VW Golf, VW Passat und Ford Focus. Der Markt stimmt mit den Rädern ab.
Dazu ein Argument, das selten genannt wird. Bei der Auswertung von rund 900 000 Fahrzeughistorien lag der Anteil manipulierter Kilometerstände bei Fahrzeugen aus Ungarn bei 5,30 Prozent, bei Fahrzeugen aus Deutschland bei 1,99 Prozent. Das Risiko ist hier also knapp dreimal so hoch. Tachomanipulation ist in Ungarn seit 2013 strafbar, verfolgt wird sie kaum.
Prüfen lässt sich die ungarische Vorgeschichte kostenlos über die staatliche Jármű Szolgáltatási Platform, abgefragt über die Fahrgestellnummer. Zwei Einschränkungen: Das System warnt nur bei sinkendem Kilometerstand, es blockiert nichts. Und über die ausländische Vorgeschichte eines Importwagens weiß es so gut wie nichts – und importiert wurden in den letzten zehn Jahren einige Hunderttausend.
Unsere Antwort auf die Ausgangsfrage
- Neuwagen: in Ungarn kaufen. Die 27 Prozent zahlen Sie ohnehin, und Sie sparen sich Import, Einzelabnahme und Registrationssteuer.
- Junger Gebrauchter, zwei bis fünf Jahre: rechnen. Hier ist die Registrationssteuer noch hoch und die Alterskürzung klein. Der deutsche Preisvorteil kann davon aufgefressen werden.
- Älterer Gebrauchter ab etwa acht Jahren: oft lohnt der Kauf in Deutschland. Die Registrationssteuer ist dann um 65 Prozent und mehr gekürzt, und Sie bekommen ein Fahrzeug mit belastbarer Historie.
- Schon in Ungarn zugelassen: der einfachste Weg. Keine Registrationssteuer, keine Einzelabnahme – nur Umschreibung und Umschreibungssteuer, und zwar binnen 15 Tagen. Der Verkäufer muss den Verkauf innerhalb von acht Tagen melden.
Und wenn Sie das nicht selbst durch die Ämter tragen wollen: Wir machen das. Siehe Auto ummelden.
Stand und Vorbehalt
Die Zahlen gelten für Oktober 2026. Steuersätze und Gebühren werden in Ungarn jährlich an die Inflation angepasst, zuletzt um gut vier Prozent. Die genaue Umweltklasse Ihres Fahrzeugs entscheidet bei der Registrationssteuer über einen Faktor von 1 bis 24 – lassen Sie sie vor dem Kauf bestimmen, nicht danach. Wir sind keine Steuerberater; für den Einzelfall gilt der Bescheid der Zollbehörde.
Häufige Fragen
Spare ich Mehrwertsteuer, wenn ich einen Neuwagen in Deutschland kaufe?
Ist mein Auto beim Umzug nach Ungarn von der Registrationssteuer befreit?
Wie hoch ist die ungarische Registrationssteuer?
Darf ich in Ungarn mit deutschem Kennzeichen fahren?
Wie lange habe ich nach dem Kauf Zeit für die Umschreibung?
Wie oft muss das Auto in Ungarn zur technischen Untersuchung?
Stand: 24.10.2026