Feiertage in Ungarn: Wann zu ist – und wann samstags gearbeitet wird

Elf Feiertage, vier Brückentage – und vier Samstage, an denen ganz Ungarn arbeitet. Wer das nicht weiß, steht vor verschlossenen Ämtern oder wundert sich über Lärm auf der Baustelle am Wochenende.

Ungarn hat elf gesetzliche Feiertage – ungefähr so viele wie Deutschland. Der Unterschied liegt woanders: In Ungarn kann ein Samstag zum Arbeitstag werden. Wer das nicht weiß, steht am Brückentag vor einem geschlossenen Amt und wundert sich zwei Wochen später, warum am Samstag alle arbeiten.

Die elf Feiertage

UngarischDeutsch20262027
ÚjévNeujahrDo, 1. JanuarFr, 1. Januar
Nemzeti ünnepNationalfeiertag 1848So, 15. MärzMo, 15. März
NagypéntekKarfreitagFr, 3. AprilFr, 26. März
HúsvéthétfőOstermontagMo, 6. AprilMo, 29. März
A munka ünnepeTag der ArbeitFr, 1. MaiSa, 1. Mai
PünkösdhétfőPfingstmontagMo, 25. MaiMo, 17. Mai
Szent István napjaStaatsgründungDo, 20. AugustFr, 20. August
Nemzeti ünnepNationalfeiertag 1956Fr, 23. OktoberSa, 23. Oktober
MindenszentekAllerheiligenSo, 1. NovemberMo, 1. November
Karácsony1. WeihnachtstagFr, 25. DezemberSa, 25. Dezember
Karácsony másnapja2. WeihnachtstagSa, 26. DezemberSo, 26. Dezember

Was in Deutschland selbstverständlich ist und hier fehlt: Fronleichnam, Christi Himmelfahrt, Tag der Deutschen Einheit, Reformationstag. Und Heiligabend ist kein Feiertag – dazu gleich mehr.

Der verschobene Arbeitstag – das Wichtigste auf dieser Seite

Fällt ein Feiertag auf einen Dienstag oder Donnerstag, gibt die Regierung den Brückentag frei. Dafür wird ein Samstag zum regulären Arbeitstag. Festgelegt wird das jedes Jahr neu, per Verordnung des Wirtschaftsministeriums.

Für 2026 gilt:

Dieser Samstag ist Arbeitstagdafür ist frei
Sa, 10. JanuarFr, 2. Januar
Sa, 8. AugustFr, 21. August
Sa, 12. DezemberDo, 24. Dezember

An diesen Samstagen haben Ämter, Banken, Post und Firmen wie an einem Wochentag geöffnet. Und an den freien Brückentagen ist zu – obwohl es keine Feiertage sind.

Der Unterschied ist nicht nur Wortklauberei: An einem freien Brückentag gibt es keinen Feiertagszuschlag, und Geschäfte dürfen ganz normal öffnen. Sie sind frei für die Angestellten, nicht für das Land.

Für 2027 steht die Verordnung noch aus (Stand Oktober 2026). Rein rechnerisch fällt 2027 kein Feiertag auf einen Dienstag oder Donnerstag – es könnte also ein Jahr ohne Arbeits-Samstage werden. Verlassen Sie sich nicht darauf, bevor die Verordnung da ist.

Heiligabend: nur bis 14 Uhr

Der 24. Dezember ist in Ungarn kein gesetzlicher Feiertag. Aber das Handelsgesetz schreibt vor, dass Geschäfte an diesem Tag höchstens bis 14:00 Uhr öffnen dürfen. Ausgenommen sind Gastronomie, Hotels, Blumen- und Süßwarenläden, Tankstellen und Läden in Bahnhöfen und Flughäfen.

In der Praxis schließen die großen Ketten schon um zwölf oder eins. Wer um halb zwei noch die vergessene Zutat holen will, kommt zu spät.

In Bewegung: Seit September 2026 liegt im Parlament ein Gesetzentwurf, den 24. Dezember dauerhaft zum Feiertag zu machen – ohne Nacharbeit. Die Debatte begann im Oktober, alle Fraktionen zeigten sich zustimmend. Entschieden war es im Oktober 2026 noch nicht. Falls es kommt, entfällt wahrscheinlich auch der Arbeits-Samstag am 12. Dezember.

Sonntags und an Feiertagen einkaufen

Ein Sonntagsöffnungsverbot gibt es nicht – das wurde 2016 wieder abgeschafft. Jeder Händler entscheidet selbst. Die Supermärkte am Balaton haben sonntags offen, in der Saison oft bis abends.

An den gesetzlichen Feiertagen gibt es ebenfalls keine Schließpflicht. Dass Aldi, Lidl, Spar, Tesco, Penny, CBA und Auchan trotzdem zu haben, ist eine Branchenübung, kein Gesetz. Offen bleiben in der Regel:

  • Tankstellenshops
  • Non-Stop-Läden in größeren Orten
  • Trafiken (Nemzeti Dohánybolt)
  • inhabergeführte kleine Läden, nach eigenem Ermessen

Silvester ist gesetzlich nicht geregelt; die Ketten verkürzen freiwillig, meist bis 14 bis 18 Uhr.

Was an Feiertagen zu ist

  • Ämter (kormányablak) – geschlossen, auch an den freien Brückentagen. Ob Ihr Amt an einem Arbeits-Samstag Parteienverkehr hat, steht auf der Seite des jeweiligen Standorts; das wird nicht landesweit einheitlich geregelt.
  • Banken – Filialen geschlossen, Überweisungen zwischen Banken werden nicht verarbeitet. Die ungarische Sofortüberweisung (azonnali átutalás) bis 10 Millionen Forint läuft dagegen rund um die Uhr, auch an Feiertagen.
  • Post – an Feiertagen zu. An Arbeits-Samstagen und Brückentagen gilt Samstagsbetrieb: in größeren Städten mindestens ein Amt bis 16 Uhr, sonst bis 12 Uhr.
  • Müllabfuhr – wird verschoben, aber regional verschieden. Der Abfuhrkalender Ihrer Gemeinde sagt, wohin; siehe unseren Beitrag Abfallkalender und Müllabfuhr.
  • Hausarzt – geschlossen. Stattdessen der landesweite Bereitschaftsdienst unter 1830. Bei Lebensgefahr 112. Gesundheitsauskunft 1812.
  • Apotheken – die meisten zu, es gibt Notdienstapotheken (ügyeletes gyógyszertár).

Der Tag, den niemand auf dem Schirm hat: 1. Juli

Der Semmelweis-nap, benannt nach Ignác Semmelweis, ist kein allgemeiner Feiertag – aber für das Gesundheitswesen arbeitsfrei. Das heißt: Hausärzte, Fachärzte, Zahnärzte und die meisten Apotheken haben am 1. Juli geschlossen. Nur Notdienst.

Wer an diesem Tag einen Termin machen will oder ein Rezept braucht, steht vor verschlossener Tür. Das trifft Zugezogene jedes Jahr aufs Neue.

Was an den vier großen Tagen passiert

15. März – die Revolution von 1848

Erinnerung an den Aufstand gegen Habsburg, an Sándor Petőfi und die „12 Punkte". Man trägt eine kokárda, eine Kokarde in Rot-Weiß-Grün, am Revers. Fahnenhissung, Kranzniederlegung, Reden – in jeder Kleinstadt vor dem Rathaus. Ein ernster, patriotischer Tag, kein Volksfest.

20. August – Szent István, die Staatsgründung

Der wichtigste Staatsfeiertag: König Stephan I. gründete um das Jahr 1000 das christliche Königreich Ungarn. Der Tag ist zugleich Erntedank. Am Vormittag wird das neue Brot gesegnet (kenyérszentelés), in Budapest zieht die Prozession mit der Reliquie der rechten Hand des Heiligen um die Basilika, es gibt eine Luftparade über der Donau und abends das größte Feuerwerk des Landes.

Auch die Dörfer feiern: Brotsegnung, Dorffest, oft eigenes Feuerwerk. Wenn Sie an einem Tag im Jahr Ihre Nachbarn kennenlernen wollen, ist das dieser.

23. Oktober – 1956

Beginn des Volksaufstands gegen die Sowjetherrschaft, und 1989 am selben Tag die Ausrufung der Republik. Symbol ist die lyukas zászló, die durchlöcherte Fahne, aus der das Wappen herausgeschnitten wurde. Gedenkveranstaltungen, ernst und oft politisch.

1. November – Mindenszentek

Für viele Deutsche der eindrücklichste Unterschied. Von Ende Oktober bis zum 2. November – Halottak napja, Allerseelen, selbst kein Feiertag – fahren die Familien zu den Gräbern, putzen sie, legen Chrysanthemen nieder und zünden mécses an, kleine Grablichter.

Abends sind die Friedhöfe von tausenden Lichtern erleuchtet. Das ist kein stilles Pflichtprogramm, sondern ein Ereignis, zu dem die ganze Familie kommt. Rechnen Sie an diesen Tagen mit Verkehr rund um die Friedhöfe und mit Blumenständen an jeder Ecke.

Drei Bräuche, die den Alltag betreffen

  • Névnap – der Namenstag. In Ungarn oft wichtiger als der Geburtstag. Jeder Kalender führt für jeden Tag die Namen. Blumen oder eine Kleinigkeit sind üblich, im Büro wird mitgefeiert. Wer seinen Handwerker oder Nachbarn am Namenstag grüßt, erntet mehr Wohlwollen als mit jedem Trinkgeld.
  • Mikulás, 6. Dezember. Kein freier Tag. Kinder stellen am Vorabend die geputzten Stiefel ins Fenster. In Kindergärten, Schulen und vielen Firmen kommt der Mikulás vormittags vorbei.
  • Locsolkodás am Ostermontag. Männer „begiessen" Frauen mit Parfüm und bekommen dafür bemalte Eier oder einen Schnaps. Auf dem Land wird das ernst genommen – rechnen Sie damit, dass es an Ihrer Tür klingelt.

Und zwischen den Jahren

Der 27. bis 31. Dezember sind formal Arbeitstage. Faktisch arbeiten viele Firmen mit Minimalbesetzung oder machen Betriebsurlaub. Handwerker, Ämter und Behörden sind in dieser Woche schwer erreichbar – planen Sie nichts, was fertig werden muss.

Und noch ein Unterschied, der überrascht: Gründonnerstag ist in Ungarn ein ganz normaler Arbeitstag. Karfreitag dagegen ist seit 2017 voller Feiertag.

Stand Oktober 2026. Die Feiertage selbst stehen im Arbeitsgesetzbuch und ändern sich selten. Die verschobenen Arbeitstage werden jedes Jahr neu festgelegt – die Verordnung für 2027 war im Oktober 2026 noch nicht veröffentlicht. Ebenso offen: ob der 24. Dezember zum Feiertag wird.

Häufige Fragen

Wie viele Feiertage hat Ungarn?
Elf: 1. Januar, 15. März, Karfreitag, Ostermontag, 1. Mai, Pfingstmontag, 20. August, 23. Oktober, 1. November sowie der 25. und 26. Dezember.
Was ist ein áthelyezett munkanap?
Ein verschobener Arbeitstag. Fällt ein Feiertag auf einen Dienstag oder Donnerstag, ist der Montag oder Freitag dazwischen frei – dafür wird an einem Samstag davor oder danach regulär gearbeitet. Ämter, Banken und Schulen sind an diesem Samstag offen.
Haben die Geschäfte an Feiertagen auf?
Große Geschäfte bleiben an Feiertagen und an Sonntagen geschlossen. Kleine Läden bis 200 Quadratmeter dürfen öffnen, wenn nur der Inhaber und seine Familie arbeiten – deshalb hat der Dorfladen oft auf, der Supermarkt nie. Tankstellen, Apotheken im Notdienst und Bahnhofsgeschäfte sind ausgenommen.
Bis wann haben die Geschäfte an Heiligabend auf?
Bis 14 Uhr, gesetzlich vorgeschrieben. Danach ist bis zum 27. Dezember alles zu. Am 31. Dezember ist bis 18 Uhr offen.
Was ist der Semmelweis-nap?
Der 1. Juli, der Tag des Gesundheitswesens. Kein allgemeiner Feiertag, aber alle Beschäftigten im Gesundheitswesen haben frei: Hausarztpraxen, Fachambulanzen und Labore sind geschlossen, es gibt nur Notdienst. Ein Termin an diesem Tag ist kein Termin.

Stand: 25.10.2026