Deutschsprachige Nachrichten aus Ungarn: was es gibt und wer dahintersteht
Die Linklisten im Netz sind fast alle veraltet. Wir haben im Oktober 2026 jede Adresse selbst geprüft – und schreiben dazu, wer dahintersteht.
Wer ein Haus in Ungarn hat, will wissen, was im Land passiert — und zwar auf Deutsch. Die Linklisten, die man dazu im Netz findet, sind fast alle veraltet. Wir haben im Oktober 2026 jede Adresse selbst geprüft und schreiben dazu, wer dahintersteht. Das Zweite ist in Ungarn wichtiger als anderswo.
Zwei verbreitete Irrtümer gleich vorweg: Die Budapester Zeitung wurde nie eingestellt — sie wurde 2021 nur umbenannt. Und den Pester Lloyd gibt es seit April 2025 wieder, nach fünf Jahren Pause.
Für unsere Gegend: die Balaton Zeitung
Das ist das einzige deutschsprachige Blatt, das wirklich über unsere Region schreibt — und es fehlt in fast jeder Linkliste.
- balaton-zeitung.info — erscheint etwa monatlich mit Doppelausgaben, herausgegeben von der Balaton Zeitung Kft. in Balatonszabadi, redaktionell verantwortlich Adelheid Tóth. Das Heft-Archiv reicht bis Dezember 2006 zurück; von jeder Ausgabe ist die Titelgeschichte frei lesbar.
Kostenpflichtig, als E-Paper einzeln oder im Digital-Abo, Printzustellung innerhalb Ungarns. Preise nennen wir hier bewusst nicht — die ließen sich nicht verlässlich ermitteln, und falsche Zahlen sind schlimmer als keine. Fragen Sie direkt beim Verlag.
Landesweit auf Deutsch
Budapester Zeitung
budapester.hu — die deutschsprachige Tageszeitung Ungarns, herausgegeben von der BZT Media Kft., einem Privatunternehmen. Gründer und Geschäftsführer ist Jan Mainka, ein in Berlin geborener Journalist, der seit 1988 in Budapest lebt.
Zur Verwirrung um den Namen: Bis Januar 2021 hieß das Wochenblatt „Budapester Zeitung" und die tägliche PDF-Ausgabe „BZ heute". Dann wurde getauscht: Die tägliche Ausgabe heißt heute Budapester Zeitung, das Wochenblatt BZ Magazin. Wer „die Budapester Zeitung gibt es nicht mehr" gehört hat, hat diese Umbenennung mitbekommen, nicht eine Einstellung.
Artikel mit dem Kürzel „BZ+" liegen hinter der Bezahlschranke. Es gibt ein Probe-Abo und eine kostenlose PDF-Ausgabe zum Hineinschnuppern. Englisches Schwesterblatt: The Budapest Times.
Pester Lloyd
pesterlloyd.net — der Traditionstitel von 1854, der bis 1945 erschien, 1994 wiederbelebt wurde und zuletzt im April 2020 online stand. Seit April 2025 erscheint er wieder, unter dem Herausgeber Jasper Ben Reichardt.
Heute gibt es eine wöchentliche digitale Ausgabe im Zeitungslayout — zum Lesen am Bildschirm oder zum Ausdrucken — plus laufende Artikel auf der Website. Die Preise haben wir geprüft: Einzelausgabe 2,50 €, Monat 8 €, Halbjahr 45 €, Jahr 86 €.
Eine gedruckte Ausgabe mit Zustellung nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz ist geplant, aber noch nicht erhältlich. Der Druckstart hängt an genügend Vorbestellungen; eine unverbindliche Vormerkung ist möglich. Wenn Sie Print wollen: vormerken lassen, nicht auf ein Abo warten, das es noch nicht gibt.
Ungarn Heute
ungarnheute.hu — tägliche Nachrichten auf Deutsch, herausgegeben von der Stiftung Friends of Hungary, die auch das englische Hungary Today betreibt.
Dazu gehört eine Einordnung, die wir nicht weglassen wollen: Nach Recherchen des ungarischen Investigativportals Átlátszó hat die Stiftung seit 2015 über 1,5 Milliarden Forint an nicht rückzahlbaren öffentlichen Zuwendungen erhalten, überwiegend über das Amt des Ministerpräsidenten. Ihr Vorsitzender Andor Nagy ist ein früherer Fidesz-Abgeordneter und war von 1998 bis 2002 Kabinettschef von Viktor Orbán.
Das heißt nicht, dass dort nichts Brauchbares steht — für Veranstaltungen, Wirtschaftsmeldungen und Alltagsthemen ist die Seite nützlich. Es heißt, dass Sie bei politischen Themen eine zweite Quelle danebenlegen sollten.
Die ungarndeutschen Blätter
Zwei Zeitungen der deutschen Minderheit in Ungarn — anderes Thema als Nachrichten, aber oft die interessantere Lektüre, wenn man wissen will, wie die Deutschen hier seit Generationen leben:
- neue-zeitung.hu — erscheint wöchentlich mit 20 Seiten, seit 1957. Herausgeberin ist die Neue-Zeitung-Stiftung; die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen unterstützt das Blatt, gibt es aber nicht selbst heraus. Finanziert über die Minderheitenförderung. Mit Kinderbeilage NZ Junior und dem Jahrbuch Deutscher Kalender. Ein Europa-Abo (Print und PDF) gibt es; die auf der Website genannten Preise stammen allerdings von einer Seite, die zuletzt 2024 geändert wurde — vor der Bestellung nachfragen.
- sonntagsblatt.hu — „die ungarndeutsche Zeitschrift", herausgegeben von der Jakob Bleyer Gemeinschaft. Online mit E-Paper und eigenem Podcast, stärker Kultur und Zeitgeschehen.
Radio und Fernsehen auf Deutsch
Beides gibt es, beides läuft — das wissen die wenigsten.
- „Unser Bildschirm" — ein 26-Minuten-Magazin über das Leben der Ungarndeutschen, seit 1978 auf Sendung. Läuft dienstags auf Duna Televízió (vormittags) und Duna World (nachmittags). Die genauen Zeiten wechseln, deshalb hier kein Uhrzeit-Versprechen, sondern der Link zur Mediathek, in der alle Folgen stehen. Hinweis: Beim ersten Aufruf blendet die Seite eine Altersabfrage ein, die man bestätigen muss — das irritiert, ist aber harmlos.
- „Treffpunkt am Vormittag" — täglich zwei Stunden auf Deutsch, 10 bis 12 Uhr, auf dem Minderheitenkanal MR4 (Nemzetiségi Rádió). Über Mittelwelle 873 und 1188 kHz, praktischer aber als Livestream auf mediaklikk.hu unter dem Menüpunkt „ÉLŐ". Die deutsche Rundfunkredaktion sitzt in Pécs.
Ungarische Portale mit Übersetzung lesen
Für das, was wirklich im Land passiert, kommen Sie an den ungarischen Portalen nicht vorbei. Mit der eingebauten Übersetzung im Browser ist das weniger mühsam, als es klingt.
So geht es: In Chrome Rechtsklick auf die Seite, dann „Auf Deutsch übersetzen". In Firefox gibt es eine eingebaute Übersetzung, die auf dem Gerät läuft — ob Ungarisch angeboten wird, hängt von der Version ab, schauen Sie ins Übersetzungsmenü. Alternativ DeepL, das auch eine Browser-Erweiterung für ganze Seiten hat.
Eine Warnung dazu: Ungarisch ist mit dem Deutschen nicht verwandt und baut Wörter durch Anhängen von Endungen. Maschinelle Übersetzungen von Nachrichten sind brauchbar. Bei Behördenschreiben, Verträgen und Gerichtspost sind sie es nicht — da gehört ein Mensch dran.
Landesweite Portale
- telex.hu — das reichweitenstärkste Nachrichtenportal des Landes. 2020 gegründet, nachdem 87 von 90 Redakteuren bei Index geschlossen gekündigt hatten. Finanziert sich über Leserspenden. Es gibt eine englische Auswahl übersetzter Artikel.
- 24.hu, 444.hu, hvg.hu — die weiteren großen unabhängigen Portale.
- index.hu und origo.hu — große Reichweite, werden vom Euromedia Ownership Monitor als regierungsnah eingeordnet.
- portfolio.hu — Wirtschaft, teils hinter Bezahlschranke. Nützlich für Immobilienmarkt und Energiepreise.
Für Zala, Somogy und Veszprém
- zaol.hu — Zala (Hévíz, Keszthely, Zalaegerszeg)
- sonline.hu — Somogy (Südufer, Siófok, Kaposvár)
- veol.hu — Veszprém (Nordufer, Balatonfüred, Tapolca)
- likebalaton.hu — Balaton-Portal, Nachrichten gemischt mit Tourismus
Was Sie dazu wissen sollten: Alle vier gehören zur Mediaworks Hungary Zrt., deren Hauptgesellschafterin die Stiftung KESMA ist — ein 2018 gegründeter Medienverbund mit rund 476 Titeln, darunter sämtliche Komitatszeitungen des Landes. Für Gemeindenachrichten, Bauvorhaben und Veranstaltungen sind die Seiten trotzdem die beste Quelle, die es gibt; eine andere lokale gibt es schlicht nicht.
Neu seit August 2026: Die gedruckten Ausgaben von Somogyi Hírlap und Napló erscheinen nur noch wöchentlich, samstags zugestellt. Die Nachrichtenportale laufen täglich weiter. Wer bisher die Tageszeitung im Briefkasten hatte, findet das Aktuelle jetzt online.
Wie unabhängig ist die ungarische Presse?
Weil die Frage immer kommt, hier die Zahlen statt einer Meinung:
- Reporter ohne Grenzen führt Ungarn in der Rangliste der Pressefreiheit 2026 auf Platz 74 von 180 (2025: Platz 68).
- Der Media Pluralism Monitor des Europäischen Hochschulinstituts weist für 2026 ein Gesamtrisiko von 75 Prozent aus — Stufe „hoch", besonders bei Eigentumskonzentration und politischer Unabhängigkeit.
- Der EU-Rechtsstaatlichkeitsbericht vom Juli 2026 stellt bei der Medienregulierung und beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk „einige Fortschritte" fest, bei der Vergabe staatlicher Werbung dagegen „keine Fortschritte".
Praktisch heißt das für Sie: Bei politischen Themen zwei Quellen aus unterschiedlichen Lagern lesen. Bei Wetter, Verkehr, Gemeindenachrichten und Veranstaltungen spielt das keine Rolle.
Warnmeldungen — das Wichtigste auf dieser Seite
Nachrichten sind das eine. Die Meldung, dass in Ihrem Komitat ein Unwetter aufzieht oder der Strom ausfällt, ist das andere — und die kommt nicht über eine Zeitung.
Die VÉSZ-App
Die offizielle Warn-App des ungarischen Katastrophenschutzes, kostenlos für Android und iPhone. Sie meldet Unwetterwarnungen des Wetterdienstes, Brände, Verkehrsunfälle, Feuerwehreinsätze und Stromausfälle — wahlweise fürs ganze Land, für Ihr Komitat oder für Ihren aktuellen Standort. Drei Stufen: Information, Warnung, Alarm, einzeln abonnierbar.
Ehrlich dazu: Die Meldungen erscheinen nach allem, was öffentlich dokumentiert ist, auf Ungarisch; eine deutsche Sprachversion wird nirgends angegeben. Installieren Sie sie trotzdem. Die Komitatsauswahl und die Warnfarben versteht man auch ohne Sprachkenntnisse, und für den Text hilft die Kamera-Übersetzung des Handys. Infos beim Katastrophenschutz.
Die Sturmwarnung am Balaton
Wenn Sie Gäste haben, die ins Wasser gehen, sollten die das kennen. Die Warnung läuft über Blinkleuchten rund um den See, vom 1. April bis 31. Oktober:
- 45 Blinksignale pro Minute = erste Stufe. Wind um 40 bis 60 km/h erwartet. Wer im Wasser oder auf einem Boot ist, muss innerhalb von 500 Metern vom Ufer bleiben. Mit Kindern: nur im flachen Uferbereich.
- 90 Blinksignale pro Minute = zweite Stufe. Böen über 60 km/h. Der Aufenthalt im Wasser ist untersagt. Boote, Stand-up-Paddel, Kajaks und Tretboote steuern das nächstgelegene sichere Ufer an — nicht den Startpunkt.
Der Unterschied zwischen 45 und 90 ist mit bloßem Auge schwer zu zählen. Die Faustregel: schnelleres Blinken heißt raus aus dem Wasser. Den Live-Status nach Seebecken zeigt balatoniidojaras.hu — eine private Seite; amtlich ist der Wetterdienst.
Wetter und Wasserstand
omsz.met.hu — der staatliche Wetterdienst HungaroMet, mit einer eigenen Balaton-Sektion: Beobachtungen, Windvorhersage, Wellenhöhe. Eine deutsche Version gibt es nicht, nur Ungarisch und Englisch. Die englische Seite ist übersichtlich und funktioniert gut.
Für deutsche Staatsbürger
- Deutsche Botschaft Budapest — und dort vor allem die Krisenvorsorgeliste ELEFAND. Wer ein Haus hier hat und pendelt, sollte sich eintragen; das ist der einzige Weg, auf dem die Botschaft Sie im Ernstfall erreicht. Dauert zehn Minuten und kostet nichts.
- Konsularsprechtage: Die Botschaft kommt regelmäßig in die Regionen — unter anderem nach Hévíz. Pass abgelaufen, Beglaubigung nötig? Dann sparen Sie sich die Fahrt nach Budapest. Die Termine stehen auf der Botschaftsseite; schauen Sie zweimal im Jahr nach. In Pécs gibt es zusätzlich eine Honorarkonsulin.
- Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts — die Hinweise nennen ausdrücklich Einbrüche in Ferienwohnungen und Autodiebstahl am Balaton. Dazu die App „Sicher Reisen" mit Push-Meldungen auf Deutsch.
Was wir bewusst nicht empfehlen
Deutschsprachige Podcasts und YouTube-Kanäle über Ungarn. Wir haben gesucht und nichts Redaktionelles gefunden — was es gibt, sind private Auswanderer-Kanäle, oft mit kräftiger Meinung und ohne erkennbare Prüfung der Fakten. Das empfehlen wir nicht weiter. ARD und ORF berichten anlassbezogen aus Budapest; in deren Mediatheken nach „Ungarn" zu suchen, bringt mehr als jede Abo-Empfehlung, die wir hier geben könnten.
Linklisten anderer Anbieter. Wir haben einige durchgesehen. Die meisten führen abgeschaltete Adressen, und eine nennt noch einen Staatspräsidenten, der seit 2022 nicht mehr im Amt ist. Deshalb steht oben, wann wir geprüft haben.
Unser Rat in drei Sätzen
Für die Region die Balaton Zeitung, für das Land die Budapester Zeitung oder den Pester Lloyd, für das Lokale das Komitatsportal mit Browser-Übersetzung. Die VÉSZ-App aufs Handy, auch wenn sie ungarisch ist. Und wenn Sie nur eine einzige Sache von dieser Seite mitnehmen: tragen Sie sich bei ELEFAND ein.
Stand und Vorbehalt
Alle Adressen geprüft am 25.10.2026. Nicht belegen konnten wir die aktuellen Abopreise der Budapester Zeitung, der Neuen Zeitung und der Balaton Zeitung, die genauen Sendezeiten von „Unser Bildschirm" sowie die Sprachversionen der VÉSZ-App — in diesen Punkten fragen Sie bitte direkt beim Anbieter nach. Angaben zu Eigentümerstrukturen nach dem Euromedia Ownership Monitor 2025 und dem State Media Monitor, Bewertungen nach Reporter ohne Grenzen (Index 2026), dem Media Pluralism Monitor 2026 und dem EU-Rechtsstaatlichkeitsbericht vom 17.07.2026. Die Medienlandschaft Ungarns hat sich 2026 stark verändert; wir prüfen diese Seite halbjährlich nach.
Häufige Fragen
Gibt es die Budapester Zeitung noch?
Erscheint der Pester Lloyd wieder?
Welche deutschsprachige Zeitung berichtet über den Balaton?
Gibt es deutschsprachiges Radio und Fernsehen in Ungarn?
Wie lese ich ungarische Nachrichtenseiten?
Wem gehören die Lokalportale für Zala, Somogy und Veszprém?
Erscheinen die Komitatszeitungen noch täglich?
Welche Warn-App brauche ich in Ungarn?
Was bedeuten die Blinkleuchten am Balaton?
Was ist ELEFAND?
Kommt die Botschaft auch in die Regionen?
Gibt es gute deutschsprachige Podcasts über Ungarn?
Stand: 25.10.2026